PortfolioBerater
ProduktinfosFrei zugänglich

Bitcoin-Volatilität seit 2012: Weniger Schwankung, weiterhin extreme Tage

21Nexus

02.11.2026 · 09:59 Uhr

Der Einwand und die Daten

Der Einwand, Bitcoin sei zu volatil, ist verbreitet und nicht falsch. Er ist nur unvollständig: Eine Volatilitätszahl beschreibt die einzelne Anlage, für die Wirkung im Portfolio reicht sie allein nicht. Als Grundlage lohnt der Blick auf die Daten. Die realisierte Volatilität von Bitcoin gegen den US-Dollar ist seit 2012 deutlich zurückgegangen, extreme Tage sind im Verhältnis zur jeweils jüngsten Schwankung jedoch nicht verschwunden. Beide Teile gehören zusammen, denn der Rückgang allein wäre nur die halbe Auswertung.

Verglichen werden drei Jahre im Abstand von jeweils vier Jahren: 2018 mit 84 Prozent Volatilität und 8 Drei-Sigma-Tagen, 2022 mit 65 Prozent und 11 Tagen sowie 2026 bis zum 27. Oktober mit 44 Prozent und 9 Tagen. Was ein Drei-Sigma-Tag ist, wie die Werte entstehen und wo die Aussage an ihre Grenzen stößt, steht weiter unten. Diese Seite ergänzt Folge 1 der Themenreihe „Volatilität im Portfoliokontext“ im Format „21Nexus | Portfoliofragen“ und ist auch ohne das Video lesbar.

Datenbasis und Methodik

Grundlage sind Tagesschlusskurse von Bitcoin gegen den US-Dollar. Die Reihe liegt kalendertäglich und lückenlos ab dem 1. Januar 2012 vor, Stichtag der Auswertung ist der 27. Oktober 2026. Alle Werte beruhen auf eigener Berechnung aus diesen Schlusskursen; fertige Kennzahlen Dritter werden nicht übernommen.

Volatilität ist die Standardabweichung der logarithmierten Tagesrenditen (Stichproben-Standardabweichung), annualisiert mit der Wurzel aus 365.

Drei-Sigma-Tag ist ein Tag, an dem der Betrag der Tagesrendite mindestens das Dreifache der Standardabweichung der logarithmierten Tagesrenditen der 30 Vortage erreicht. Die Schwelle ist damit relativ zur jeweils jüngsten Volatilität und sagt nichts über absolute Ausschläge. Das Fenster endet am Vortag, der laufende Tag fließt nicht in die Schwelle ein.

Alle Kursdaten lauten auf US-Dollar. Für 2026 reichen die Werte bis zum 27. Oktober und sind unvollständig; die Zahl der Drei-Sigma-Tage 2026 bezieht sich auf diesen Zeitraum.

Jahreswerte 2012 bis 2026

Die Tabelle zeigt alle ausgewerteten Jahre, nicht nur die drei verglichenen Jahre.

Grenzen der Aussage

Jede historische Kennzahl hängt an Zeitraum, Fenster und Konvention. Vier Punkte sind für die Einordnung wichtig.

Auswahl der Jahre. Der Vergleich oben nutzt 2018, 2022 und 2026, also feste Abstände von vier Jahren. Das ist eine Eingrenzung auf die jüngere Historie. In den frühen Jahren lag die Volatilität im Mittel deutlich höher (2013: 148,9 Prozent; 2013 bis 2017 gepoolt: 93,6 Prozent), auch wenn einzelne Jahre wie 2016 unter dem Niveau von 2018 lagen. Der Rückgang ist über die gesamte Reihe daher nicht schwächer. Zugleich beruht der Befund auf Jahren mit einem erheblich kleineren und anders strukturierten Markt. Der feste Abstand begrenzt die Auswahlfreiheit, belegt aber nicht, dass das Ergebnis von der Auswahl unabhängig ist.

Vergleich zusammenhängender Mehrjahresperioden. Drei lückenlos aneinander anschließende Perioden zeigen dasselbe Bild: 2013 bis 2017 liegen gepoolt bei 93,6 Prozent, 2018 bis 2022 bei 75,5 Prozent und 2023 bis 27.10.2026 bei 45,7 Prozent. Auch diese Grenzen sind gewählt, und 2012 bleibt außerhalb des Vergleichs. Die Rechnung zeigt, dass der Rückgang bei dieser Aggregation sichtbar ist, nicht dass die Auswahlabhängigkeit entfällt. Die Volatilität sank über diese Mehrjahresperioden, aber nicht in jedem einzelnen Jahr: 2024 liegt über 2023 und 2025.

Extreme Tage. Drei-Sigma-Tage treten in sämtlichen ausgewerteten Jahren auf, zwischen 6 und 16 je Jahr. Der Durchschnitt beträgt 12,8 Tage je Jahr in 2013 bis 2017, 8,6 in 2018 bis 2022 und 8,3 in 2023 bis 2025. Ein Trend ist damit weder belegt noch ausgeschlossen. Weil die Schwelle relativ zur jeweils jüngsten Volatilität gilt, folgt aus dem Fortbestehen extremer Tage außerdem nicht, dass absolute Ausschläge unverändert geblieben sind. Die Zählung umfasst positive wie negative Tagesrenditen: In den verglichenen Jahren waren es ein positiver Ausschlag und sieben negative (2018), vier und sieben (2022) sowie fünf und vier (2026). Zwischenzeitliche Ausschläge innerhalb eines Tages erfasst die Auswertung nicht. Drei-Sigma-Tage sind deshalb weder eine Zählung schwerer Verlusttage noch ein vollständiges Maß des Verlustrisikos.

Konvention. Die Zählung der Drei-Sigma-Tage reagiert stärker auf die Konvention als die Volatilität. Mit der hier verwendeten Definition ergeben sich für 2018, 2022 und 2026 acht, elf und neun Tage. Mit der Standardabweichung auf Basis des Divisors n statt n−1 wären es acht, zwölf und elf, mit einem Fenster einschließlich des laufenden Tages vier, acht und vier. Deshalb ist die Definition hier offengelegt, und die Aussage lautet „nicht verschwunden“ statt „häufiger“. Als Anteil der Beobachtungstage liegen die Drei-Sigma-Tage bei 2,2 Prozent (2018), 3,0 Prozent (2022) und 3,0 Prozent (2026, neun von 300 Tagen).

Der Annualisierungsfaktor ist keine Nebensache: Bei unveränderten kalendertäglichen Renditen läge die Volatilität 2026 mit der Wurzel aus 252 statt 365 bei 36,6 statt 44,1 Prozent. Die Wahl von 365 folgt daraus, dass Bitcoin an jedem Kalendertag gehandelt wird und die Renditen kalendertäglich gerechnet sind. Als Plausibilitätskontrolle ergibt die Rechnung mit Renditen zwischen den Handelstagen des US-Aktienmarkts (Montagsrenditen umfassen das Wochenende) und der Wurzel aus 252 einen ähnlichen Wert von 43,2 Prozent. Für 2012 beginnt die Drei-Sigma-Zählung erst am 1. Februar, weil für die ersten 30 Renditetage keine Vorlaufhistorie für die Schwelle vorliegt; ob sie Überschreitungen enthielten, lässt sich nicht beurteilen. Die elf gezählten Tage beziehen sich auf 335 auswertbare Tage, die Volatilität 2012 nutzt alle 365 Tagesrenditen.

Einordnung im Portfoliokontext

Einzelkennzahlen wie diese beschreiben eine Anlage für sich. Für die Wirkung im Portfolio kommen zwei Fragen hinzu: wie sich die Anlage zu den übrigen Positionen verhält, denn diese Abhängigkeit ändert sich mit dem Marktumfeld, und wie viel Risiko sie zum Gesamtportfolio beitragen darf. Die Positionsgröße ist aus dem Risikobudget abzuleiten, unter Berücksichtigung von Risikomaß, Annahmen und Restriktionen, und nicht umgekehrt. Die Auswertung oben gibt darauf keine Antwort; sie beschreibt ausschließlich die Einzelanlage.

Rechtliche Hinweise

Diese Veröffentlichung dient ausschließlich der allgemeinen Information und der fachlichen Einordnung. Sie stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung, eine Finanzanalyse oder ein Angebot zum Erwerb oder zur Veräußerung von Finanzinstrumenten dar. Individuelle Anlageziele, Vermögensverhältnisse oder die Risikotragfähigkeit einzelner Anleger werden nicht berücksichtigt. Angaben zu historischen Wertentwicklungen und Kennzahlen lassen keine Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen zu. Die verwendeten Daten stammen aus Quellen, die wir für zuverlässig halten; eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit wird nicht übernommen. Maßgeblich ist der Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, eine Aktualisierungspflicht besteht nicht. Herausgeber: 21Nexus Capital GmbH, Neuer Wall 54, Hamburg.

Dieser Beitrag ist für Sie frei zugänglich.

Exklusive Inhalte sind registrierten Mitgliedern vorbehalten. Verpassen Sie keine relevanten News. Die Registrierung ist natürlich kostenfrei.

Kostenfrei registrieren »

Quelle: 21Nexus. Für Inhalte Dritter übernehmen wir keine Haftung.

← Alle Nachrichten