Ethereum neben Bitcoin: Weniger Risiko durch die zweite Position?
21Nexus
27.10.2026 · 10:59 Uhr
Wer bereits Bitcoin hält, landet bei einer zweiten Kryptoposition schnell bei Ether und muss entscheiden: Wird die Kryptoquote erhöht oder lediglich anders aufgeteilt? Untersucht wird der zweite Fall. Ein Teil der Bitcoin-Position wird durch Ether ersetzt, der insgesamt investierte Betrag bleibt gleich. Senkt die zusätzliche Position dadurch Schwankungen und Verluste?
Das Ergebnis aus den Daten seit 2017: Die Mischungen schwankten stärker als Bitcoin allein. Der Maximum Drawdown wurde nicht kleiner, und nur in einer Minderheit der Einstiegszeitpunkte war er geringer als bei Bitcoin allein. Eine zweite Position machte die Bitcoin-Position damit historisch nicht automatisch risikoärmer.
Der Testaufbau
Verglichen werden drei Portfolios: 100 Prozent Bitcoin, zwei Drittel Bitcoin und ein Drittel Ether sowie je 50 Prozent Bitcoin und Ether. Berechnet wird mit exakt zwei Dritteln Bitcoin und einem Drittel Ether; die Prozentangaben sind gerundet. Grundlage sind die täglichen Schlusskurse in Euro vom 29. Mai 2017 bis zum 18. Oktober 2026, insgesamt 3.429 Tagesrenditen. Im Standardfall wird quartalsweise auf die Zielgewichte zurückgesetzt. Monatliches und jährliches Rebalancing sowie der Verzicht auf Rebalancing dienen als Vergleich. Gebühren, Steuern und Staking-Erträge bleiben unberücksichtigt.
Zwei Anlagen, sehr unterschiedliche Wertentwicklung
Bitcoin und Ether bewegten sich im Untersuchungszeitraum häufig gemeinsam, die täglichen Renditen korrelierten mit 0,76. Die Wertentwicklung unterschied sich dennoch deutlich: Aus 100 wurden bei Bitcoin rund 3.559, bei Ether rund 1.210. Ether schwankte zugleich stärker (Volatilität p. a. 86,8 Prozent gegenüber 66,7 Prozent bei Bitcoin).
Mehr Schwankung, kein kleinerer Maximum Drawdown
Mit wachsendem Ether-Anteil nehmen die Schwankungen zu, der schlechteste Monatsverlust fällt größer aus, und die Zahl der Monate mit hohem Verlust steigt. Auch der Maximum Drawdown ist bei beiden Mischungen größer als bei Bitcoin allein. Die höhere Einzelvolatilität von Ether und der starke Gleichlauf erklären das zusammen: Der Streuungseffekt der Kombination reichte bei den untersuchten Gewichtungen nicht aus, um die Schwankungen unter das Niveau von Bitcoin allein zu senken.
Die beiden dargestellten Varianten erlitten ihre großen Drawdowns weitgehend in denselben Phasen. Auch die Zeit bis zur Rückkehr auf den früheren Höchststand unterschied sich kaum: Gemessen vom jeweiligen Hoch Ende 2017 beziehungsweise Anfang 2018 bis zur Wiedererreichung dauerte es bei Bitcoin allein und bei den Mischungen jeweils rund drei Jahre (1.079 bis 1.096 Tage).
Der Einstiegszeitpunkt entscheidet
Der Gesamtzeitraum ist eine einzige Abfolge. Anleger steigen aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. Deshalb wurde für jeden Monatsultimo ein Einstieg mit den Zielgewichten simuliert und für 12, 24 und 36 Monate verglichen, wie sich die Mischungen gegenüber Bitcoin allein entwickelten.
Bei der Drittelmischung war der Maximum Drawdown in 23 Prozent der Zwölf-Monats-Zeiträume kleiner als bei Bitcoin allein, bei 24 Monaten in 21 Prozent und bei 36 Monaten in 35 Prozent. Je nach Anlagedauer fiel der Maximum Drawdown im Median um 1,1 bis 2,6 Prozentpunkte größer aus als bei Bitcoin allein. Bei der Rendite war die Mischung in 40 bis 47 Prozent der Zeiträume besser, ein durchgängiger Vorteil zeigte sich nicht. Die Zeiträume überlappen stark, die Anteile sind keine Erfolgswahrscheinlichkeiten.
Die Rebalancing-Regel prägt das Renditeergebnis
Die Rendite hängt an der Rebalancing-Regel. Die Drittelmischung erzielte eine Rendite p. a. von 46,7 Prozent bei monatlicher, 45,2 Prozent bei quartalsweiser und ebenfalls 45,2 Prozent bei jährlicher Anpassung sowie 42,4 Prozent ohne Rebalancing, jeweils gegenüber 46,3 Prozent bei Bitcoin allein. Nur bei monatlicher Anpassung lag die Mischung damit leicht vorn, bei den drei anderen Varianten dahinter. Das ist ein Bruttoergebnis, seine Beständigkeit nach Handelskosten wurde nicht geprüft. Das Risikobild bleibt bei allen vier Regeln gleich: höhere Volatilität, kein kleinerer Maximum Drawdown.
Was das für die Portfolioentscheidung bedeutet
Wer einen Teil seiner Bitcoin-Position durch Ether ersetzt, sollte daraus nicht automatisch eine Entlastung seines Risikobudgets ableiten. Bei unverändertem Kapitaleinsatz schwankten die untersuchten Mischungen stärker als Bitcoin allein, der Maximum Drawdown blieb ähnlich tief oder fiel größer aus. Ein Renditevorteil zeigte sich nicht durchgängig und hing von der Rebalancing-Regel ab.
Für Vermögensverwalter bedeutet das: Eine Ether-Beimischung braucht eine eigene Anlagebegründung, etwa die Erwartung eines zusätzlichen Renditebeitrags oder Gründe aus dem Mandat. Soll das Risikobudget unverändert bleiben, ist neben der Aufteilung zwischen Bitcoin und Ether auch die Höhe der gesamten Kryptoquote zu überprüfen. Bitcoin und Ether sollten im gemeinsamen Kryptorisikobudget betrachtet werden, Positions- und produktspezifische Limits bleiben daneben sinnvoll. Welche Quote zum Mandat passt, beantwortet dieser Vergleich nicht.
Datengrundlage und Grenzen: Tägliche Schlusskurse Coinbase BTC/EUR und ETH/EUR, 29. Mai 2017 bis 18. Oktober 2026 (Tagesgrenze 00:00 Uhr UTC). Die Ether-Reihe hat Lücken am 27./28. Mai 2017, der Start liegt daher am 29. Mai. Rebalancing am Periodenende, konstante Zielgewichte, ohne Gebühren, Steuern und Staking, Erträge in Euro nominal. Kleinere Ether-Anteile als ein Drittel wurden nicht untersucht. Der Untersuchungszeitraum umfasst mehrere Marktphasen, bildet aber nur eine historische Entwicklung der beiden Vermögenswerte an einem Handelsplatz ab; die Ergebnisse sind keine allgemeine Aussage über Ether. Bei späteren Startterminen verschiebt sich die Renditebeziehung, die höhere Volatilität der Mischungen bleibt bestehen. Der Maximum Drawdown beruht auf Tagesschlusskursen. Die Auswertung beschreibt vergangene Verteilungen und enthält keine Prognose.
Kein Investment Advice. Nur Marktbeobachtung.
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